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Feuer auf Caspers-Merk

Artikel von Hans Cousto

Drogen und Suchtbericht: Irreführend und tendenziös

Alljährlich erscheint im Frühjahr der Drogen und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Dieser Bericht beschreibt weit weniger die allgemeine Situation in Deutschland, sondern weit mehr die von der Bundesregierung geförderten Projekte. Dass diese nicht immer die besten sind, soll hier beispielhaft ebenso aufgezeigt werden wie auch der einseitige Tenor in diesem Bericht, der repräsentativ für die oft äußerst tendenziöse Berichterstattung der Bundesdrogenbeauftragten Marion Caspers-Merk ist.

In der Einleitung drückt Frau Caspers-Merk ihre Beunruhigung über den steigende Konsum von Cannabis bei Jugendlichen aus und verweist auf die steigende Zahl derer, die deswegen eine Beratungsstelle aufsuchen. Beunruhigend findet sie des weiteren auch, dass mit Ecstasy und Amphetaminen die synthetischen Drogen weiter auf dem Vormarsch seien.

Cannabis bezogene Störungen

Im Drogen und Suchtbericht bezieht sich die Drogenbeauftragte auf die Studie „Cannabisbezogene Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebote in Deutschland“ vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München und stellt fest, dass die Zunahme der Behandlungszugänge anhand der vorliegenden Daten als gesichert zu betrachten sei und dass die Zunahme nicht das Ergebnis eines gezielten justiziellen Drucks sei. Doch die Daten in der Studie zeigen ein anderes Bild, das den justiziellen und polizeilichen Druck deutlich erkennen läßt: Das Aufsuchen der Beratungsstelle geschieht in 25,8% der Fälle aufgrund polizeilicher Maßnahmen, in 27,4% der Fälle aufgrund von Maßnahmen der Justizbehörden. Deshalb geben auch mehr als die Hälfte der Cannabisklienten als Ziel der Behandlung an, Auflagen zu erfüllen. Dabei geben 24,1% richterliche Auflagen an, 15,5% Auflagen im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und 11,4% andere Auflagen.

Ecstasy auf dem Vormarsch?

Die Drogenbeauftragte Caspers-Merk zeigt sich beunruhigt über den Vormarsch von Ecstasy. Doch es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass der Konsum von Ecstasy rückläufig ist. So lag die Zahl der erstauffälligen Ecstasykonsumenten – trotz massiver Intensivierung des polizeilichen Kontrolldrucks – im letzten Jahr signifikant niedriger als im Jahr 2001. Registrierte die Polizei in Deutschland im Jahr 2001 noch 6.097 erstauffällige Ecstasykonsumenten, so waren es 2004 nur noch 3.907. Dies entspricht einer Abnahme um 36%. Auch den Berichten der Deutschen Referenzstelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) ist nicht zu entnehmen, dass der Ecstasykonsum auf dem Vormrsch sei. Vielmehr ist ein Rückläufiger Trend zu erkennen. So haben 1997 noch 0,9% der 1859jährigen innerhalb der letzten 12 Monate Ecstasy konsumiert, im Jahr 2003 waren es nur noch 0,8%. Demgegenüber hat sich die Zahl der Menschen, die Erfahrungen mit Kokain gemacht hat, im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. 1997 waren es 1,5% der 1859jährigen, im Jahr 2003 bereits 3,1%, bei den 1839jährigen stieg die Zahl sogar von 1,9% auf 4,8%. Auch die 12Monatsprävalenz (innerhalb der letzten 12 Monaten konsumiert) stieg bei den 1859jährigen von 0,7% auf 1,0%. Dennoch behauptet die Drogenbeauftragte, dass sich auf Grundlage der vorhandenen Daten keine Hinweise auf eine Zunahme von Umfang und Intensität des Kokainkonsums ergeben haben.

Wer konsumiert Kokain?

Im Drogen und Suchtbericht steht, dass der Kokainkonsum eine geringe Verbreitung in der Bevölkerung habe. Gemäß den Berichten der DBDD konsumieren jedoch weit mehr Menschen in Deutschland Kokain als beispielsweise Ecstasy. So haben 3,1% der 18-59jährigen Erfahrungen mit Kokain gemacht, demgegenüber nur 2,5% mit Ecstasy. Bei den 18-39jährigen haben sogar 4,8% Erfahrungen mit Kokain gemacht, mit Ecstasy lediglich 4,3%. Auch die Nachfrage nach Informationen über Kokain ist bei diversen Internetportalen in der letzten Zeit massiv angestiegen. So wurde die Infoseite zu Kokain bei den Drugscouts (www.drugscouts.de) wesentlich häufiger aufgerufen als die Infoseite zu Ecstasy oder zu Speed. Nur Infos zu Cannabis waren noch häufiger gefragt (Aufrufe der Cannabisinfoseite im Jahr 2004: 19.265, der Kokaininfoseite: 18.505). Erhöhte Prävalenzwerte (Anzahl von Menschen, die eine bestimmte Substanz konsumiert haben) sollen gemäß Drogen und Suchtbericht in bestimmten Szenen beobachtet worden sein wie in Szenen der jugendlichen Subkultur (Partyszene), unter Opiatund Alkoholabhänigen, bei Jugendlichen im Großstadtmilieu und bei Strafgefangenen. Nicht erwähnt werden die Szenen, aus denen jene Kokainkonsumenten kamen, die in den letzten Jahren in den Medien für Schlagzeilen sorgten wie die Szene der Sportfunktionäre, Sportler, Politiker, Fernsehmoderatoren u.s.w. Die Berichterstattung im Drogenund Suchtbericht ist wahrlich tendenziös und die aufgeführten Daten widerspiegeln nicht die real existierende Situation im Lande.

Alle Jahre wieder ...

Alle Jahre wieder erscheint ein Abschnitt im Drogen und Suchtbericht zum Projekt www.drugcom.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), in dem dieses Projekt als Erfolg dargestellt wird. Dieses OnlineAngebot habe sich in der Suchtprävention erfolgreich etablieren können, heißt es in dem Bericht. Dabei wird darauf hingewiesen, dass mit über 200.000 Visits (Besuche) pro Jahr die Zahl der Zugriffe im Jahr 2004 um 25% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sei. Im Vergleich zu anderen Internetportalen mit analogen Zielsetzungen ist dies jedoch ein erbärmliches Ergebnis. So konnte beispielsweise das Internetportal www.drugscouts.de der Drugscouts in Leipzig über 800.000 Visits zählen und eine Zunahme der Visits um 239% im Vergleich zum Vorjahr registrieren. Die Drugscouts haben somit weit mehr als dreimal so viele Besucher im letzten Jahr gehabt wie das Projekt Drugcom und die Zunahme der Besucher war sogar neunmal größer, obwohl die Drugscouts nur über einen Bruchteil der finanziellen Ressourcen verfügen im Vergleich zum Projekt Drugcom der BZgA. Hier wird offenbar, dass man auch mit einem großen Werbebudget mangelnde Qualität nicht wettmachen oder ausgleichen kann. Doch gute, empfehlenswerte und akzeptierte Angebote wie das der Drugscouts in Leipzig werden im Drogen und Suchtbericht nicht erwähnt.

Hans Cousto: Feuer auf Caspers-Merk. In: Hanfjournal 7/2005.
http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2005/07/s4_feuer_auf_caspers-merk.php .

   
   
 

 

zuletzt aktualisiert am 28.07.2005