STARTMENUEZURUECK

 
   
  Interview der PDS-Jugend-Sachsen mit den Drug Scouts
[BILDER]
[CHILLOUT]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Enormer Bedarf an sachlicher Aufklärung
Opp! traf sich mit mit Annegret Beck und Falk Springer von den Leipziger Drug Scouts um über Drogen, Prävention und die Gesellschaft zu sprechen. Das Interview führte Fabian Blunck

Wer seid Ihr? Was macht Ihr?

Wir sind die Drug Scouts aus Leipzig - junge Menschen, die für eine akzeptierende, tabufreie und an der Realität orientierte Aufklärung über Drogen und deren Konsum eintreten. Und das unabhängig von Parteien und Konfession.

Wie finanziert Ihr Eure Arbeit?

Wir werden von Jugend- und Gesundheitsamt der Stadt Leipzig finanziert, müssen jedoch einen Anteil auch über Eigenmittel einspielen. Die Vor-Ort-Arbeit wird dabei nahezu ausschließlich durch Volunteers in freiwilliger und unbezahlter Arbeit erbracht.

Was sind Drogen? Über welche Drogen erstellt Ihr Faltblätter?

Drogen sind nach unserem Verständnis alle psychoaktiven Substanzen, sowohl illegalisierte als auch legale Stoffe wie Kaffee, Alkohol und Nikotin. Drugscouts-Faltblätter mit Infos zu Wirkungsweise und Safer-Use-Tipps gibt es für mittlerweile fast 30 Substanzen. Gerade neu erschienen sind: Alcopops, Energizer und Absinth und ein Flyer zu "Erste Hilfe im Drogen-Notfall".

Wo macht Ihr Eure Info-Stände? Was werden da für Drogen konsumiert?

Mit unserer Info-Zone sind wir hauptsächlich in der Partyszene präsent, d.h. sie richten sich vorrangig an junge Menschen. Wir sind da offen für alle Szenen, von denen wir anfragt werden. Parties, Clubs und Feierszene sind als Orte für den Konsum der verschiedensten Drogen bekannt. Risikoverhalten und Probierkonsum sind dabei häufig. Ziel unserer akzeptierenden Arbeit - und darüber hinaus auch von öffentlichem Interesse - ist, dass Jugendliche diese Phase möglichst unbeschadet überstehen.

Wie steht Ihr zu den Forderungen nach einem Verbraucherschutz für DrogenkonsumentInnen, dem so genannten Drug Checking gegenüber?

Realistische Informationen über auf dem Markt befindliche Substanzen sind Grundlage für eine glaubwürdige Aufklärung über Möglichkeiten der Reduzierung von Schäden durch Drogengebrauch. Die praktische Arbeit der Drug Scouts ist - bei aller Akzeptanz - durch das Defizit geprägt, dass uns - und der Drogenhilfe allgemein - die Basisinfos für solch eine fundierte Aufklärungsarbeit fehlt.

Durch Drug Checking sollen KonsumentInnen die Möglichkeit haben, Drogen auf Inhalt und Reinheit zu überprüfen. Mit anderen Worten: Es soll für jeden User von Ecstasy oder anderen Substanzen möglich sein, seinen Stoff bzw. seine Pille daraufhin zu überprüfen, ob tatsächlich die gewünschte Droge (z.B. MDMA oder Kokain) enthalten und wieviel jeweils drin ist. Damit soll es u.a. möglich sein, unerwünschte hochriskante Substanzen festzustellen, die derzeit zu gefährlichen Notfällen oder gar Todesfällen führen. Letztlich ist Drug Checking auch eine Möglichkeit, sich für oder gegen den Konsum zu entscheiden und diesen zu reflektieren.

Wir haben gerade eine Bedarfsanalyse zu Drug Checking unter Drogen-KonsumentInnen durchgeführt. Die überwältigende Mehrheit der Befragten (83,7%) aus sieben Ländern Europas äußerten dabei Interesse an einem Substanztest.

Drug Checking stellt für uns jedoch nur einen Aspekt des Verbraucherschutzes für DrogenkonsumentInnen dar. Drogeninformationen allein reichen unserer Meinung nicht aus. Ohne kulturelle und soziale Einbettung ist Prävention nahezu wirkungslos. In einem akzeptierenden Verständnis bedeutet dies Partizipation von jugendlichen DrogenkonsumentInnen durch Selbstorganisation, Freiwilliges Engagement und Selbsthilfe. Das bedeutet Gleichberechtigung all ihrer Anliegen. Damit wird Jugendlichen eine Stimme gegeben, ihre Rechte als mündige KonsumentInnen zu artikulieren und durchzusetzen.

Wer nimmt euer Drogentelefon und eure Webseite in Anspruch? KonsumentInnen oder Menschen die (noch) keine Drogen konsumieren, aber in deren Umfeld Drogen konsumiert werden (Familie, Freundeskreis)? Junge oder alte Menschen?

Unser Drogentelefon (0341-211 22 10, immer Di+Do 14-18h) wird hauptsächlich von jungen KonsumentInnen genutzt, die Fragen zu ihrem Konsum und zu rechtlichen oder medizinischen Aspekten haben. Es rufen auch Angehörige an, die keine eigenen Erfahrungen mit illegalisierten Drogen haben. Sie sind verunsichert oder ängstlich, was den Konsum ihrer FreundInnen, Geschwister oder Kinder anbetrifft. Das Spektrum der Menschen, die unsere Webseite (www.drugscouts.de ) und die Internetberatung "Dr. Frühling" im Speziellen nutzen, ist sogar noch breiter. Was die Altersstruktur betrifft, gehört die Mehrzahl der NutzerInnen unserer Angebote zur Gruppe der 18-25 Jährigen.

Werden eurer Arbeit Steine in den Weg gelegt? Wie steht Ihr zur sächsischen Drogen- und Suchtpolitik?

Mit einem Drogenkonsum akzeptierenden Ansatz haben wir es hierzulande nicht leicht. Steine werden uns dann in den Weg gelegt, wenn es um eine Weiterentwicklung unseres Projektes geht. Drug Checking hatten wir als Punkt ja schon. Hier fehlt ein Signal vom Land, dass in Leipzig solch ein Modell ausprobiert werden kann. Die Abfrage unserer Angebote, v.a. unserer Webseite, übersteigt unsere Ressourcen bei weitem. Das zeigt zum einen den enormen Bedarf an sachlicher und akzeptierender Aufklärung über Drogen, Rausch und Risiko. Andererseits macht es auch sichtbar, wo zusätzliche präventive Anstrengungen, eben auch finanziell, sinnvoll sind. Wir sind überregional bekannt und erfolgreich, können aber nur in und um Leipzig wirken. Langfristig gesehen wollen wir uns jedoch nicht nur darauf beschränken, einzelne Personen zu beraten oder mal in diesem, mal in jenem Club modellhaft präsent zu sein und ein paar Probleme anzusprechen. Akzeptierende Drogenarbeit in unserem Verständnis kann nur auf höherer Ebene strukturell wirksam werden. Dazu muss die Diskussion um Drogen auch in Sachsens Parlament versachlicht werden. Hier hilft - wie im praktischen Umgang mit den Drogen - statt einer repressiven Tabuisierung nur konsequente Aufklärung!

Quelle: www.pds-jugend-sachsen.de/interview-drugscouts.htm

   
   
 

 

zuletzt aktualisiert am 21.01.2005