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SAFER SNIEFEN
     
Sniefen  

Sniefen (= nasale Applikation) ist eine weit verbreitete und beliebte Konsumform für viele psychoaktive Substanzen (Kokain, Crystal, Speed, Heroin, Ketamin u.a.). Weitere Bezeichnungen sind Ziehen, Rotzen, Schniefen oder Sniffen.

Dabei wird die kristalline oder pulvrige Substanz (mittels eines Röhrchens) in die Nase gezogen. Dort bleibt sie an den Membranen der Schleimhäute kleben, löst sich sehr schnell auf und gelangt durch die feinen Adern der Schleimhäute direkt ins Blut. Das Blut transportiert die Wirkstoffe der Substanz ins Gehirn, wo sie ihre Wirkung entfalten.

Eine Substanz zu sniefen ist risikoärmer als sie sich zu spritzen. Dennoch sind auch mit dieser Konsumform gesundheitliche Risiken verbunden. Sie können reduziert werden, wenn Du beim nasalen Konsum folgende Safer-Use-Tipps beachtest:

         
Safer Sniefen  

Zerhacke und zerreibe das Pulver so klein wie möglich auf einer sauberen Unterlage. Je größer die Kristalle, desto mehr verletzen sie mit ihren scharfen Kanten Deine Nasenschleimhaut.

Vor dem Konsum: Nase putzen!

Benutze Dein eigenes, sauberes Ziehgerät – am besten eins mit stumpfen oder abgerundeten Rändern. Die empfindliche Nasenschleimhaut wird durch scharfe Kanten der Röhrchen bzw. scharfkantige Kristalle leicht gereizt oder verletzt; dadurch können Krankheitserreger (z.B. an schmutzigen Geldscheinen) über die Blutbahn in Deinen Körper gelangen. Bakterien und Viren, die am Ziehröhrchen oder der Banknote haften, können durch die gemeinsame Nutzung an andere Personen übertragen werden. Dadurch kann man sich Infektionen (z.B. Erkältungen, Herpes, Hepatitis) zuziehen.
Das gemeinsame Benutzen von Röhrchen oder Banknoten also unbedingt vermeiden!

Ein eigenes Röhrchen zu benutzen, muss nicht heißen, allein zu konsumieren. Das gemeinsame Ziehen von »Lines« vom Spiegel, der in der Runde kreist, ist ein Ritual, das nicht leidet, wenn jede ihr und jeder sein eigenes Ziehröhrchen benutzt.

Ziehröhrchen sind in jedem gut sortierten Headshop in unterschiedlichen Varianten erhältlich. Du kannst Dir Dein Röhrchen aber auch ganz leicht selber basteln, indem Du Aquariumschläuche – preiswert in jeder Tierhandlung oder im Baumarkt erhältlich – auf die richtige Größe zuschneidest und die Kanten mit einem Heißluftfön rund fönst.
Allerdings könnten clevere PolizistInnen Sinn und Zweck dieser Röhrchen erkennen, was bei einer Polizeikontrolle unvorteilhaft ist. Selbstgebastelte Röhrchen kann man nach dem Konsum aber einfach entsorgen und ist so zumindest auf dem Nachhauseweg »sauber«.

Wenn Du kein Ziehgerät mit Dir herumtragen möchtest, kannst Du Dir auch direkt vor dem Gebrauch ein »Einwegröhrchen« rollen. So kannst Du praktisch immer Dein eigenes Röhrchen benutzen.

Keine Geldscheine verwenden: Sie sind schmutzig und können Viren und Bakterien übertragen, besser Papier (saubere Flyer, Fahrschein o.ä.) verwenden! 10-Euro-Scheine sind mit giftigen zinnorganischen Farben bedruckt! Von allen anderen Geldscheinen sind uns keine Testergebnisse bekannt.

Vorsicht auch mit abgeschnittenen Trinkhalmen: ihre scharfen Kanten verletzen leicht Deine Nase.

Achte auf eine saubere Unterlage beim Ziehen. Ein sauberes Stück Papier ist in jedem Fall besser als ein verkeimter Klodeckel oder die Ablage im Auto.
Wasserunlösliche Streckstoffe bleiben an den feinen Härchen in Deiner Nase hängen und können diese schädigen. Deshalb: 5–10 min nach dem Sniefen Nase schnäuzen oder mit einem feuchten Taschentuch reinigen, um nicht aufgenommene Streckmittel aus der Nase zu entfernen.

Auch Medikamente werden oft nasal konsumiert. Allerdings sind Tabletten nicht zum Ziehen geeignet. Sie bestehen oft aus wasserunlöslichen Substanzen (z.B. Talkum), die als feine Staubpartikel in die Atemwege gelangen, sich dort nicht auflösen und zu Verklumpungen in der Lunge führen können.
Wenn Du trotzdem konsumierst: Zerteile Tabletten so klein wie nur möglich, am besten mit einem Mörser, um das Risiko von Verletzungen der Schleimhäute zu minimieren. Packungsbeilage sorgfältig lesen! Vorsicht bei Mischkonsum!

Beachte beim Mischkonsum: Das Mischen verschiedener Substanzen (in einer Line) macht die Rauschwirkung oft schwer kalkulierbar und den Konsum eventuell zum (lebensbedrohlichen) Notfall.

Oft kannst Du nicht mit bloßem Auge erkennen, welche Substanz als Line vor Dir liegt. Wenn Dir etwas angeboten wird, frag, um welche Substanz es sich handelt. Aus Versehen eine Line Ketamin zu sniefen an Stelle des erwarteten Speeds, kann die Party für Dich auf sehr unangenehme Weise frühzeitig beenden.

Solltest Du die Möglichkeit haben: Nutze Drug Checking [Drogen-Testangebote], Vor-Ort-Tests z.B. auf Parties. In einigen europäischen Ländern (z.B. Schweiz und Österreich) wird Drug Checking auf Parties mit mobilen Labors durchgeführt bzw. werden die Substanzen z.B. von einem Drogen-Infoprojekt in ein Labor eingeschickt. Man erhält eine genaue Aussage über Qualität (Was?) und Quantität (Wieviel?) der in der Probe enthaltenen Stoffe. Auch Streckmittel und gefährliche Beimengungen werden erkannt. Drug Checking ist in der BRD derzeit nicht möglich, da politisch nicht gewollt.

Schnelltests (z.B. Marquistest) sind einfache Farbreaktionstests, die mehr oder weniger zuverlässig darüber Auskunft geben, ob eine bestimmte Substanz (z.B. Amphetamin) in einer Probe enthalten ist. Streckstoffe bzw. evtl. gefährliche Beimengungen werden nicht erkannt. Quantitative Analysen - also wieviel von der Substanz enthalten ist - sind nicht möglich. Schnelltests sind legal im Internet oder im Headshop erhältlich.

Es besteht auch die Möglichkeit, Substanzen in Apotheken testen zu lassen. Dazu muss man dort eine Probe der "unbekannten" Substanz hinterlassen, die dann in ein Labor (Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen) eingeschickt und dort auf ihre Inhaltsstoffe überprüft wird. Man erhält allerdings keine Info zur Konzentration der Stoffe, muss einige Tage warten und ca. 20 Euro bezahlen. Es muss kein Ausweisdokument vorgelegt werden. ApothekerInnen unterliegen der Schweigepflicht. Ein Formular zur Vorlage bei der Apotheke, das den Vorgang vereinfachen dürfte, findest Du hier.

         
Pflege Deine Nase!  

Deine Nase ist mehr als eine Erhebung in der Mitte Deines Gesichts, durch deren Löcher Du Substanzen ziehen kannst. Ist Dein Geruchssinn eingeschränkt oder zerstört, kann das Deine Lebensqualität in hohem Maße beeinträchtigen.

Jedes einzelne Ziehen trocknet die Nasenschleimhäute aus. Nach dem Konsum ist deshalb eine Nasenspülung empfehlenswert. Dazu 1 Teelöffel Meersalz oder Emser-Salz in ¼ Liter warmem Wasser auflösen, Mischung aus der hohlen Hand in die Nase ziehen und wieder herauslaufen lassen. Profis besorgen sich in der Apotheke eine Nasendusche. Zusammensetzung und Konzentration der Spüllösung sind wichtig, denn die Zellen der Schleimhäute, die das Innere der Nase auskleiden, sind sehr empfindlich.

Sehr gut geeignet ist eine isotone Lösung, die Salz in einer Konzentration wie das menschliche Blut enthält (9 g auf 1 l Wasser, sollte leicht salzig, etwa so wie Tränen schmecken). Sie reizt die Schleimhäute nicht und wird als angenehm empfunden. Deswegen »brennt« es bei der Spülung auch nicht in der Nase wie z.B. bei der Verwendung von reinem Leitungswasser.

Anschließend: ein wenig Salbe oder Nasenöl gegen die Trockenheit. Das Ganze möglichst zeitnah nach dem Konsum praktizieren, aber auch am Morgen nach der Party wird Dir Deine Nase die Pflege danken.

Auf medizinisches Nasenspray verzichten, da es die Schleimhäute zusätzlich austrocknet.

Überprüfe die Gesundheit Deiner Nase: Ist sie (manchmal, oft oder immer) entzündet, ausgetrocknet, gereizt? Bildet sich ständig Schleim in Nase bzw. Nebenhöhlen? Reagierst Du allergisch? Kannst Du wie gewohnt riechen? Ist die Nasenschleimhaut angegriffen (Löcher)? Ist die Funktionsfähigkeit Deiner Nase beeinträchtigt oder Deine Nase geschädigt, suche einen Arzt oder eine Ärztin auf.

         

Allgemeine Safer-Use-Infos


 

Menschen mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen (u.a. Herz-Kreislauf-Probleme, Leber- und Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Schilddrüse, des Immunsystems, Diabetes) setzen sich möglicherweise einem besonderen gesundheitlichen Risiko durch den Konsum psychoaktiver Substanzen aus. Unbedingt vorher Infos dazu einholen und im Zweifelsfall auf den Konsum verzichten!

Kauf möglichst nicht bei Dir unbekannten Personen.

Konsumiere nur, wenn Du Dich wohl fühlst und mit Menschen, denen Du vertraust. Es ist empfehlenswert, eine Person dabei zu haben, die im Notfall Hilfe leisten oder holen kann.

Bei auf dem Schwarzmarkt erworbenen Substanzen weißt Du meist nicht, wie hoch der tatsächliche Wirkstoffgehalt ist und welche (Streck-)Stoffe enthalten sind. Deshalb: niedrig dosieren. Antesten.

Crystal ist in jedem Fall deutlich niedriger zu dosieren als Speed!

Achte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Wasser, besser vitamin- und mineralhaltige Getränke.

Beim Konsum von Stimulanzien: Gefahr der Überhitzung! Mach im Club öfter Tanz- und Erholungspausen im Chill Out oder in einem anderen, kühleren Bereich. Trag möglichst keine Kopfbedeckung (außer bei Open Airs in der prallen Sonne).

Der Konsum von psychoaktiven Substanzen kann Defizite im Vitamin- und Mineralhaushalt Deines Körpers verursachen. Amphetamine sind Kalziumräuber. Achte daher auf kalziumreiches Essen (z.B. Nüsse, Tofu, Milchprodukte [besonders Käse], Kohlgemüse, Spinat, Karottensaft …). Trink viel Wasser und vitaminreiche Fruchtsäfte. Nahrungsergänzungsmittel bringen nicht viel und sind manchmal sogar gesundheitsschädlich.

Ausgiebige Konsumpausen und Erholungsphasen einplanen und einhalten.

Vermeide es, Auto zu fahren sowie gefährliche Tätigkeiten mit Maschinen (wie Kreissägen u.ä.) auszuführen.

Safer Sniefen und Safer Sex gehören zusammen. Auch wenn Du drauf bist, gilt: Keine Körperflüssigkeiten in den Mund! Kondome schützen vor Ansteckung mit HIV und anderen Krankheitserregern.

         
Female Special  

Bei Frauen wirkt die gleiche Dosis auf Grund des oftmals geringeren Körpergewichts meist stärker als bei Männern, wodurch möglicherweise auch die Risiken steigen. Also etwas niedriger dosieren!

Der Konsum psychoaktiver Substanzen kann eine Veränderung Deines Hormonhaushalts bewirken. D.h., Menstruationsbeschwerden können verstärkt, der Monatszyklus gestört (unregelmäßige oder ausbleibende Periode) und die Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden. Dennoch kannst Du schwanger werden!

Konsumierst Du häufig psychoaktive Substanzen und nimmst die Anti-Baby-Pille, ist es außerdem denkbar, dass die empfängnisverhütende Wirkung der Pille abgeschwächt wird.
Der Konsum einiger der hier aufgeführten Substanzen kann zu Erbrechen oder Durchfall führen. Treten diese Nebenwirkungen bis zu 4 h nach Einnahme der Pille auf, gelangt u.U. zu wenig Wirkstoff der Pille in den Blutkreislauf, so dass eine Schwangerschaft möglich ist.
DESHALB: mit Kondomen oder anderen nicht-hormonellen Verhütungsmitteln vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen!

Während Schwangerschaft und Stillzeit den Konsum einschränken, besser völlig darauf verzichten!

         

 

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Speed, Crystal, Kokain, Heroin und einige andere Substanzen, die häufig nasal konsumiert werden, fallen unter das BtMG. Besitz, Erwerb und Handel sind strafbar! Ketamin und S-Ketamin sind in der BRD verschreibungpflichtige Arzneimittel, die nicht frei gehandelt werden dürfen. Sind psychoaktive Substanzen frei verfügbar, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich ist.

Dieses Faltblatt wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Faltblattes entstehen.


         
    Safer-Use Infos zum Sniefen: Infobroschüre von JES
       
   
   
   
 

 

zuletzt aktualisiert am 10.09.2009