STARTMENUEZURUECK

STOFF!
RECHT
ERSTE HILFE [SUBSTANZEN]
[NACHWEISZEITEN]
[ERFAHRUNGSBERICHTE]
 
 

CRYSTAL
INFO

CRYSTAL
T. HARRACH

SPEED
INFO

Tibor Harrach zu Crystal

 

 

 
 
Crystal

In letzter Zeit spukt eine angebliche neue Teufelsdroge durch die Medien. Zitat aus der Frankenpost: Das Zeug trägt einen wunderschönen Namen - und hat eine teuflische Wirkung. Es kommt gleich aus der Nachbarschaft, lässt sich billig herstellen und macht schon beim ersten Konsumieren süchtig, was den Händlern beständige Nachfrage sichert: Crystal Speed heißt die neueste Droge in Oberfranken. Chemisch ein so genanntes Methamphetamin, wird Crystal Speed in Hinterhof-Drogenküchen in Tschechien zusammengebraut ... Gefährlich ist das kristallene Pulver aus Böhmen vor allem wegen seiner Reinheit und hohen Sucht auslösenden Wirkung. ,,Der Entzug ist schwieriger als bei Heroin'', sagt Kriminaloberrat Ludwig Herzing, der im Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth ...

Dieses Zitat zeigt einmal wieder, wie die Öffentlichkeit durch bestimmte staatliche Stellen und die Presse wider besseren Wissens durch gezielte Falschinformation in Hysterie versetzt werden soll. Bei der "neusten Droge" handelt es sich um das 1934 zum ersten Mal synthetisierte und unter dem Namen Pervitin vermarktete Psychostimulans Methamphetamin. Wahr an dem Frankenpost-Zitat ist, dass es sich bei Crystal um nahezu 100% Methamphetamin handelt. Richtig ist auch, dass, wenn eine solche Substanz in praktisch "pharmazeutischer Qualität" (eine Methamphetamin Monographie befindet sich in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Arzneibuchs) auf den sonst an gestreckte Drogen gewöhnten Betäubungsmittelmarkt trifft, es zu Problemen kommen kann. Doch statt mit risikoreduzierenden Massnahmen wie sachgerechte Information und Drugcheckingangebote zu reagieren, ist Panikmache mit altbekannten Ammenmärchen angesagt, wobei sich ein hochdotierter Kriminaloberrat sogar zu der Aussage hinreisen läßt, dass der Methamphetamin-Entzug schwieriger ist als der bei Heroin! Richtig ist: Methamphetaminkonsum führt nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit. Trotz starker Toleranzentwicklung tritt kein typisches Entzugssyndrom auf. Nach Absetzen der Substanz sind jedoch häufig einige der Wirkungen entgegengesetzten Symptome, wie extremes Schlafbedürfnis, starkes Hungergefühl, depressive Stimmung, Gereiztheit etc. zu beobachten.

Dieser Crystal Beitrag versteht sich als update zu dem Speedzweiteiler im mushroom magazin (April u. Mai 97), der im Internet unter
www.echorausch.org/LAG-Drogen abrufbar ist


Methamphetamin


Methamphetamin wird üblicherweise durch die Reduktion von Ephedrin z.B. mit Jodwasserstoff oder Jod + Phosphor gewonnen. Der letzte und effektivste Reinigungsschritt bei einer chemischen Synthese ist die Umkristallisation, dabei erhält man das Reaktionsprodukt in kristalliner, hoch reiner Form. Ephedrin ist der psychostimulierende Wirkstoff im Epedrakraut. Es ist auch in einigen freiverkäuflichen Medikamenten enthalten z. B. als unsinnige Kombination in Wick MediNait. Der Chemikalienhandel mit Ephedrin wird seit 1995 durch das Grundstoffüberwachungsgesetz (GÜG) staatlich kontrolliert, um die Drogenherstellung im Vorfeld zu verhindern. Ein offensichtlich gescheiterter Versuch, der nicht die Menge der auf dem Betäubungsmittelmarkt erhältlichen Drogen, aber deren Qualität zumindest zeitweise deutlich reduzieren kann. Als Beispiel seien hier die als Ecstasy angebotenen Speedpillen genannt, die vermehrt 1997 (Nov. u. Dez. bei über 50% der "E´s") auftraten, nachdem man in den Niederlanden begann, das GÜG konsequent durchzusetzen und gleichzeitig in Berlin das Drugchecking von Eve & Rave verboten hatte.


Bei "Normal-Speed" handelt es sich um Amphetamin und nur selten um Methamphetamin Zubereitungen. Meistens wird Speed als weißes Pulver angeboten. Es ist in der Regel stark gestreckt. Bei den von Eve & Rave bis 1996 in Berlin zur Analytik gegebenen Speedproben schwankte die Amphetamin/Methamphetamin Konzentration zwischen 11% und 83%, durchschnittlich liegt sie bei ca. 20%. Damit ist Crystal fünfmal so stark konzentriert wie "Normalspeed". Beim Ziehen einer "Normalline" eines uninformierten Drogengebrauchers kommt es dann schnell zu einer Überdosierung. Das kann u.a. zur Folge haben, dass der Drogengebraucher tagelang nicht "runter kommt". Denn Amphetamine bleiben sehr lange im Körper bioaktiv.

Nachweisbarkeit und Führerschein
Methamphetamin wirkt stärker psychostimulierend und noch länger als Amphetamin. Je nach pH-Wert des Urins liegt die Halbwertszeit im Blut zwischen 8 Stunden bei saurem Urin (z.B. bei Fleischessern) über 30 Stunden bei basischem Urin (z.B. bei vegetarischer Ernährunsweise). Die Nachweisbarkeit im Urin beträgt (je nach pH) bis zu drei Tage. Auch der "drugwipe", eine Art Teststreifen, der von der Polizei über die Haut "verdächtiger Personen" gestrichen wird, spricht auf Amphetamin an. Der Test stellt Spuren der Substanz fest, die mit dem Schweiß ausgeschieden werden. Eine Farbreaktion zeigt innerhalb einer Minute ein positives Ergebnis an. Wird bei einem Autofahrer ein positiver Nachweis geführt, ist der Führerschein in der Regel weg. Aber auch, wenn man mit ein paar Drogenkrümeln in der Tasche und völlig abseits vom Strassenverkehr erwischt wird, gilt man als "charakterlich ungeeignet", ein Fahrzeug zu führen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die Rotgrüne Bundesregierung, wenn ihr das Thema Bürgerrecht nur einen Pfifferling wert ist. Mehr Informationen zur Führerscheinproblematik unter
www.hanflobby.de/recht/fuehrerschein-ade/ .


Schnelltests


Schnelltests haben eine beschränkte Aussagekraft. Man tropft ein bis zwei Tropfen einer bestimmten Reagenslösung auf einen Krümel seiner Droge. Eine Farbbildung zeigt an, dass die Droge eine bestimmte Stoffgruppe enthalten kann. Allerdings können auch andere nicht erwartete Stoffe zu einem falschen positiven Ergebnis führen. Man bekommt auch keine Aussage über die Konzentration der Wirksubstanzen und die Reinheit der Droge. Stoffgemische wie z.B. Speed und Ecstasy lassen sich als solche mit einem Schnelltest nicht erkennen.

Marquis Reagens (Formaldehyd Schwefelsäure nach Deutschen Arzneibuch) zur Unterscheidung von Speed und Ecstasy:
Wirkstoffe der Ecstasy-Gruppe (MDMA, MDE, MDA, MBDB) reagieren mit Marquis-Reagens zu einem blau-violett-schwarzen Produkt; Speedwirkstoffe Amphetamin und Methamphetamin reagieren zu einem orange-braunen Produkt.

Simons Reagens (Acetaldehyd und Dinatriumpentacyanonitrosylferrat (II)- Lösung)
Zur Unterscheidungsmöglichkeit von Amphetamin und Methamphetamin:

Sekundäre Amine wie Methamphetamin (aber auch MDMA, MDE u. MBDB) führen mit Simons Reagens zu einer blauen Farbstoffbildung, bei primären Aminen wie Amphetamin (und MDA) kommt es nicht zur Farbstoffbildung.

Eine sichere Aussage über die Qualität der Droge und Konzentration der Wirkstoffe läßt sich nur durch Drugchecking in einem dazu qualifiziertem Labor machen.


Infos zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Amphetamin und Methamphetamin (Speed):
www.echorausch.org/LAG-Drogen