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DIE GESCHICHTE VON ECSTASY
 

Bereits im Jahre 1898 wurde MDMA erstmals aus einem Muskatnuss-Alkaloid synthetisiert. Die Firma E. Merck & Co. (Darmstadt) entwickelte im Jahre 1912 die Substanz MDMA auf vollständig synthetischer Basis.
Nach einer zweijährigen Testphase als Appetitzügler entschloss man sich, diese Droge nicht auf den Markt zu bringen, da man sie für diese Zwecke wegen ihrer Nebenwirkungen als nicht geeignet befand.

 

Da Herstellung und Verteilung nicht durch Gesetzesvorschriften eingeschränkt waren, tauchte MDMA seit den 60`er Jahren als „Strassendroge“ zunächst in San Francisco, dann in Chicago auf.

Im Jahre 1976 wurde von den amerikanischen Forschern SHULGIN [1] und NICHOLS der erste Bericht über die psychoaktive Wirkung von MDMA bei Menschen veröffentlicht. Alexander SHULGIN gilt auch als der „Stiefvater“ des MDMA, da er bei seinen Experimenten mit verschiedenen Phenethylaminen (einer Substanzklasse, zu der auch MDMA gerechnet wird) MDMA gewissermassen „wiederentdeckte“ und durch Selbstexperimente auf dessen psychoaktive Wirkung aufmerksam wurde. In seinem 1991 gemeinsam mit seiner Frau veröffentlichten autobiographischen Bericht über die Phenethylamin-Forschung („PIHKAL“) legt er detailliert seine Experimente und Erfahrungen offen.

Mitte der 70`er Jahre fand diese Substanz verstärkt Eingang in die psychotherapeutischen Settings experimentierender Psychotherapeuten. Mit der Popularität entwickelte sich rasch Angebot und Nachfrage auf dem Schwarzmarkt.

„Der größte bislang bekannt gewordene Hersteller von MDMA war ein Laboratorium in Marin County, Kalifornien. Es wird angenommen, dass man hier Mitte der 70`er Jahre gut 500 000 Portionen MDMA monatlich produzierte - und diese auch von hier aus vertrieb. Von diesem Lab, wie größere Drogenküchen genannt werden, stammt auch die Benennung „Ecstasy“. Zuvor soll „Empathy“ als möglicher Name diskutiert, aber für zu schwierig und zu wenig verkäuflich erachtet worden sein. Alles in allem scheint dieses Lab wirklich von Profis oder von den einzigen gewissenhaften Menschen der Drogenszene geführt worden zu sein: In einem Informationspapier, das jeder einzelnen Portion XTC beilag, wurde der/die Konsument/in sehr genau informiert, womit er zu rechnen, was er zu beachten und was er zu unterlassen habe, und vor allem, dass er die Droge auf keinen Fall mit anderen Rauschmitteln kombiniert einnehmen sollte, um synergetische Wirkungen zu vermeiden. Für Fans, die mehr wissen wollten, gab das Lab sogar ein kleines Büchlein heraus: ECSTASY - 21st CENTURY ENTHEOGEN ist wahrscheinlich das umfassendste Werk zum Thema MDMA.“[2]

Zwischen 1980 und 1983 wurde gemäß den Empfehlungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde eine klinische Studie unter therapeutischer Begleitung zur Wirkungsweise von Ecstasy duchgeführt. Aufgrund von tierexperimentell gefundenen neurotoxischen Wirkungen auf serotonerge Neurone wurde MDMA dann am 30. Mai 1985 per Notfallverordnung von der amerikanischen DRUG ENFORCEMENT AGENCY (DEA) in die Liste der zu kontrollierenden „schädlichen und suchterzeugenden Substanzen ohne medizinische Anwendung“ (SCHEDULE 1) aufgenommen. Diese Klassifizierung bedeutet, dass es sich um eine Substanz mit hohem Missbrauchspotenzial und ohne nachgewiesenen medizinischen Nutzen handelt. Schon bei der Ankündigung der eventuellen Aufnahme durch die DEA folgte eine Welle des Protestes von seiten der Psychotherapeuten, Ärzte und Forscher, die bis dahin legal mit MDMA gearbeitet hatten.
Die UNO sowie die meisten europäischen Länder folgten dem amerikanischen Entscheid für ein Verbot, in Deutschland unterliegt MDMA seit dem 1.8.1986 dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG). In der Schweiz ist MDMA noch bis 1993 für psychotherapeutische Zwecke verwendet worden. 1997 sind in Deutschland alle Substanzen, die unter dem Namen Ecstasy gehandelt wurden und werden, illegalisiert.


[1] Alexander SHULGIN (entwickelte u.a. die Designerdrogen DOM und MMDA) soll im Auftrag der CIA und/oder des Pentagon das MDMA synthetisiert und als sogenannte „Wahrheitsdroge“ für die Narcoanalyse (siehe Anhang) getestet haben, hierfür gibt es jedoch keine Beweise.

[2] Arman SAHIHI, Designerdrogen: Die neue Gefahr; Beltz, Weinheim, Basel 1991; S. 90.